



















In „omegalpha“ sind visuelle Spuren der Nahrungszubereitung mit Versen aus dem Alten Testament kombiniert. In der Vergänglichkeit aller Lebewesen ist der Schlüssel für den Neubeginn verankert. Jedes Leben bedeutet Tod, jeder Tod bedeutet Leben. Aus dieser existenziellen Perspektive sind alle materiellen Artefakte, die der Mensch produziert und hinterlässt, höchstens als Spuren zu interpretieren, die der Lauf der Zeit verwischt. Der Kreislauf des Werdens und Vergehens ist Garant für die stetig stattfindende Neuerung aller Dinge. Dieser Lebenskreislauf ist das Thema der Bildserie „omegalpha“.
Die entstandenen Fotografien zeigen ausschnitthaft Lebensmittelspuren auf Hochglanzküchenoberflächen. Im Buchlayout entsteht in Kombination mit den Verszitaten des Predigers Salomo ein Dialog, der die Bedeutung eines täglichen Lebenserhaltungsrituals neu beleuchtet. Indem die Grenze der ästhetischen Bildstrategie subjektiv fotografierender Spurensuche erweitert wird, können die Abbildungen als Symbole unseres Daseins und unserer Vergänglichkeit gelesen werden. Eine quasi-surrealistische Wahrnehmungsebene entsteht durch den forcierten Aufeinanderprall von halbabstrakten, harmlos, „unwichtig“ erscheinenden Fotografien mit philosophisch aufgeladenen Textfragmenten.
So entsteht eine Art spirituelles Kochbuch – ohne genretypische Hochglanzfotos von verheißungsvoll dampfenden Speisen, aber mit existenzialistischen Rezepten des Predigers Salomo. Die faksimilierten Verszitate wurden von Nico Wallfarth´s Großmutter handgeschrieben.
Maße (Künstlerbuch): 135 x 259 x 25 mm
Limitierung: 99 + 5 AP
Schon mit dem Titel omegalpha zieht Nico Wallfarth die Konsequenz des Jesusworts aus der Offenbarung des Johannes: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“ Ende freilich nicht als absolutes Ende verstanden, sondern als erneuertes Beginnen aus dem Ende heraus. Die Arbeit omegalpha widmet sich in ihrer textlichen Seite aber nicht dem Neuen, sondern dem Alten Testament, und zwar dem Buch Kohelet, dem Prediger Salomon.
„Alles ist eitel“, „Alles ist Windhauch“, heißt es in diesem überaus eigenwilligen Text, der so gar nicht ins Alte Testament passen will und den Redakteuren schon in der Antike anstößig war. „Und alles hat seine Zeit.“ Luxus und Hochglanz, beschmutzt mit Vergänglichem, Vergangenem, bald gereinigt, erneuert, und bald wieder Ort neuer Nahrung. Die Verse aus Kohelet sind faksimilierte Handschriften der Großmutter von Nico Wallfarth, die Handschrift als Abbild des nicht mehr gegenwärtigen Menschen.
Warum ist diese Arbeit, obgleich sie die ältesten aller Fragen aufwirft, nicht altbacken? Worin liegt ihre Brisanz? Einerseits haben diese Fragen in Jahrzehntausenden sich uns in die Netzhaut gebrannt. Sie sind konkrete Form dessen, was wir Sinn nennen. Unsere Kultur leidet daran, dass die Neuzeit den alten Kreis von Zeit, Welt und Leben gewaltsam aufgebrochen und auf einen Zeitpfeil gestreckt hat, der ständig in die eine Richtung des Fortschritts weist. Die totalitären Ideologien des 19. und 20. Jh. nennen diesen Pfeil dann Geschichte, Aufklärung, Wachstum, Klassenkampf.
Omegalpha ist als ästhetisches Korrektiv zum immerwährenden Fortschritt zu lesen. In Kohelet heißt es: „Das, was war, ist das, was wieder sein wird. Und das, was getan wurde, ist das, was wieder getan wird. Und es gibt gar nichts Neues unter der Sonne.“ Die zyklische Vision von omegalpha führt den Sinn von Kohelet ins Sichtbare herüber:
„Für alles gibt es eine bestimmte Stunde … Zeit fürs Gebären und Zeit fürs Sterben, … Zeit fürs Klagen und Zeit fürs Tanzen, … Zeit fürs Suchen und Zeit fürs Verlieren …“
Doch weder Kohelet noch omegalpha ziehen daraus einen fatalistischen Schluss, sondern gewinnen aus dem großen Kreisen eine heitere, gelassene Zuversicht: „Geh hin, iss dein Brot mit Freude und trink deinen Wein mit frohem Herzen!“
Zitate:
Offenbarung 22,13.
Prediger 1,2.
Prediger 3,1.
Prediger 1,9.
Prediger 3,1-6.
Prediger 9,7.




















In „omegalpha“ sind visuelle Spuren der Nahrungszubereitung mit Versen aus dem Alten Testament kombiniert. In der Vergänglichkeit aller Lebewesen ist der Schlüssel für den Neubeginn verankert. Jedes Leben bedeutet Tod, jeder Tod bedeutet Leben. Aus dieser existenziellen Perspektive sind alle materiellen Artefakte, die der Mensch produziert und hinterlässt, höchstens als Spuren zu interpretieren, die der Lauf der Zeit verwischt. Der Kreislauf des Werdens und Vergehens ist Garant für die stetig stattfindende Neuerung aller Dinge. Dieser Lebenskreislauf ist das Thema der Bildserie „omegalpha“.
Die entstandenen Fotografien zeigen ausschnitthaft Lebensmittelspuren auf Hochglanzküchenoberflächen. Im Buchlayout entsteht in Kombination mit den Verszitaten des Predigers Salomo ein Dialog, der die Bedeutung eines täglichen Lebenserhaltungsrituals neu beleuchtet. Indem die Grenze der ästhetischen Bildstrategie subjektiv fotografierender Spurensuche erweitert wird, können die Abbildungen als Symbole unseres Daseins und unserer Vergänglichkeit gelesen werden. Eine quasi-surrealistische Wahrnehmungsebene entsteht durch den forcierten Aufeinanderprall von halbabstrakten, harmlos, „unwichtig“ erscheinenden Fotografien mit philosophisch aufgeladenen Textfragmenten.
So entsteht eine Art spirituelles Kochbuch – ohne genretypische Hochglanzfotos von verheißungsvoll dampfenden Speisen, aber mit existenzialistischen Rezepten des Predigers Salomo. Die faksimilierten Verszitate wurden von Nico Wallfarth´s Großmutter handgeschrieben.
Maße (Künstlerbuch): 135 x 259 x 25 mm
Limitierung: 99 + 5 AP
Schon mit dem Titel omegalpha zieht Nico Wallfarth die Konsequenz des Jesusworts aus der Offenbarung des Johannes: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende.“ Ende freilich nicht als absolutes Ende verstanden, sondern als erneuertes Beginnen aus dem Ende heraus. Die Arbeit omegalpha widmet sich in ihrer textlichen Seite aber nicht dem Neuen, sondern dem Alten Testament, und zwar dem Buch Kohelet, dem Prediger Salomon.
„Alles ist eitel“, „Alles ist Windhauch“, heißt es in diesem überaus eigenwilligen Text, der so gar nicht ins Alte Testament passen will und den Redakteuren schon in der Antike anstößig war. „Und alles hat seine Zeit.“ Luxus und Hochglanz, beschmutzt mit Vergänglichem, Vergangenem, bald gereinigt, erneuert, und bald wieder Ort neuer Nahrung. Die Verse aus Kohelet sind faksimilierte Handschriften der Großmutter von Nico Wallfarth, die Handschrift als Abbild des nicht mehr gegenwärtigen Menschen.
Warum ist diese Arbeit, obgleich sie die ältesten aller Fragen aufwirft, nicht altbacken? Worin liegt ihre Brisanz? Einerseits haben diese Fragen in Jahrzehntausenden sich uns in die Netzhaut gebrannt. Sie sind konkrete Form dessen, was wir Sinn nennen. Unsere Kultur leidet daran, dass die Neuzeit den alten Kreis von Zeit, Welt und Leben gewaltsam aufgebrochen und auf einen Zeitpfeil gestreckt hat, der ständig in die eine Richtung des Fortschritts weist. Die totalitären Ideologien des 19. und 20. Jh. nennen diesen Pfeil dann Geschichte, Aufklärung, Wachstum, Klassenkampf.
Omegalpha ist als ästhetisches Korrektiv zum immerwährenden Fortschritt zu lesen. In Kohelet heißt es: „Das, was war, ist das, was wieder sein wird. Und das, was getan wurde, ist das, was wieder getan wird. Und es gibt gar nichts Neues unter der Sonne.“ Die zyklische Vision von omegalpha führt den Sinn von Kohelet ins Sichtbare herüber:
„Für alles gibt es eine bestimmte Stunde … Zeit fürs Gebären und Zeit fürs Sterben, … Zeit fürs Klagen und Zeit fürs Tanzen, … Zeit fürs Suchen und Zeit fürs Verlieren …“
Doch weder Kohelet noch omegalpha ziehen daraus einen fatalistischen Schluss, sondern gewinnen aus dem großen Kreisen eine heitere, gelassene Zuversicht: „Geh hin, iss dein Brot mit Freude und trink deinen Wein mit frohem Herzen!“
Zitate:
Offenbarung 22,13.
Prediger 1,2.
Prediger 3,1.
Prediger 1,9.
Prediger 3,1-6.
Prediger 9,7.